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Gedanken eines Tiefkühlkostlers

Auch Helge hat es schnell gemerkt: studiert mann in Passau, ist man weg von Muttis Esstisch. Spätestens dann rächt sich, wenn man auf Angebote wie "Jetzt lernst Du kochen" mit Hinweisen geantwortet hat wie: "Ich deck dann mal den Tisch".


Unter der Woche ist diese Versäumnis ja kein wirkliches Problem. Morgens gibt's trocken Brot mit Nutella, mittags Mensa und abends schließlich trocken Brot, diesmal mit Wurst oder - dank der allgmeinen Seuchenhysterie - alternativ wieder mit Nutella. Wem das zu eintönig ist, der kann ja ne Tüte Chips zu abend essen.

Am Wochenende allerdings stellt sich die folgende Frage: Döner oder Tiefkühlkost? Döner ist irgendwann zu teuer. So ab Woche drei bleibt also nur noch die Tiefkühltruhe. Und da ergeben sich ja mannigfaltige Möglichkeiten. Pizza, Backcamembert, Putenschnitzel usw. Zumindest mit Pizzen habe ich mich intensiv beschäftigt.

Oh, bevor ich es vergesse, ähnlich Calvins Vater werde ich alles, was ich hier zum Besten gebe, in späteren Zeiten als nie geschrieben bestreiten.

Also: Pizzen, ich kenne sie alle. Ok, nicht wirklich alle, mehr so alle im unteren Preissegment, aber immerhin. Über eine Tatsache sollte sich der Mutterlose immer im klaren sein: Egal, ob "Edelsalami", "Original italienisch" oder "mit Liebe gebacken", sie schmecken alle gleich.

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle kurz erwähnen, dass mir glaubhaft versichert wurde - angeblich wissenschaftlich belegt - dass Tiefkühlkost Krebs fördert. Bedenkt man aber die Alternativen, Selberkochen oder Döner für immer, so verliert der Krebs doch recht schnell einiges an Schrecken. Außerdem rauche ich ja nicht.

Bei der Beschäftigung mit Tiefkühlkost dürfen auch soziale Aspekte nicht vergesen werden. Tiefkühlkost hilft, wenn es darum geht, subtil Botschaften zu übermitteln. Erwähnt doch eine Freundin schon seit geraumer Zeit, sie würde mich in Passau (in Passau!) besuchen kommen, sobald ich (ich!) gelernt hätte, zu kochen (ich, zu kochen!). Sehr unglaubwürdig. Es klingt aber eben bedeutend netter als "Ich? Nach Passau? Ans Ende der Welt? Nie!"

In letzter Zeit fällt eine Verteidigung von Tiefkühlkost immer schwerer, soziale Komponente hin oder her. Die Rede ist von BSE. Klar, eines ist sicher, und das ist Bayern; aber woher soll ich wissen, woher die Kuh kam, die für die "Edelsalami" verwendet wurde? Und habe ich nicht - das Krebsrisiko verachtend - jahrelang "mit Liebe gebackene" Fleischprodukte verspeist und bin deshalb vielleicht schon infiziert?

Hier zeigt sich dann doch wieder die Routine, die mann entwickelt, wenn man jahrelang seine Essgewohnheiten verteidigen muss. auch in der jetzigen Situation läßt sich noch Positives erkennen: sollten sich alle Befürchtungen bewahrheiten, dann kann ich vielleicht endlich tanzen.


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